Termin vorbereiten

Die Begutachtung durch den Medizinischen Dienst vorbereiten

Auf die Begutachtung durch den Medizinischen Dienst bereiten Sie sich am besten vor, indem Sie vorher aufschreiben, wie ein normaler Tag wirklich abläuft – mit allen Stellen, an denen Ihr Angehöriger Hilfe oder Aufsicht braucht. Im Termin schaut ein Gutachter rund 30 bis 60 Minuten lang, wie selbstständig Ihr Angehöriger im Alltag noch ist. Entscheidend ist, dass Sie dabei sind, ruhig den echten Alltag schildern – auch die Nächte und die schlechten Tage – und das mit konkreten Beispielen und einem kurzen Pflegetagebuch belegen können. Wer das vorbereitet, vergisst unter Anspannung nichts Wichtiges.

Wenn Sie das hier lesen, steht der Termin wahrscheinlich kurz bevor – und Sie spüren diese Mischung aus „das ist wichtig" und „ich weiß nicht genau, was auf uns zukommt". Das ist völlig normal. Die gute Nachricht: Sie müssen nichts auswendig lernen und nichts „richtig machen" im Sinne einer Prüfung. Sie müssen nur dafür sorgen, dass der Gutachter den echten Alltag zu sehen bekommt – nicht den geschönten Ausschnitt eines guten Moments. Genau dabei hilft Ihnen dieser Ratgeber.

Wir gehen ruhig durch alles, was zählt: wie der Termin abläuft, was Sie vorher tun und bereitlegen, wie der Gutachter typischerweise fragt und wie Sie ehrlich und vollständig antworten – und welcher eine Fehler am häufigsten dazu führt, dass der Alltag im Termin zu positiv ankommt. Wie der Antrag grundsätzlich funktioniert, lesen Sie im Überblick Pflegegrad beantragen; hier geht es um den Termin selbst.

Kurz vorweg

Wenn Sie für sich sortieren wollen, worauf es bei Ihrem Angehörigen besonders ankommt, hilft weiter unten unser kostenloser Pflegegrad-Schnell-Check. Er führt Sie in wenigen Minuten durch die sechs Lebensbereiche der Begutachtung und macht sichtbar, welche Punkte Sie im Termin auf keinen Fall vergessen sollten. Kein Verkauf, keine E-Mail-Pflicht.


Wie läuft die Begutachtung ab?

Sobald Sie einen Pflegegrad beantragt haben, beauftragt die Pflegekasse einen Gutachter. Bei gesetzlich Versicherten ist das der Medizinische Dienst (MD) — früher als MDK (Medizinischer Dienst der Krankenversicherung) bekannt —, bei privat Versicherten das Unternehmen MEDICPROOF. In aller Regel kommt der Gutachter zu einem vereinbarten Termin zu Ihnen nach Hause – denn er will den Alltag in der gewohnten Umgebung sehen. In manchen Fällen läuft die Begutachtung auch per Telefon oder Video.

Der Termin dauert meist 30 bis 60 Minuten. Der Gutachter ist in der Regel eine Pflegefachkraft oder eine Ärztin bzw. ein Arzt. Er stellt Fragen, bittet vielleicht, kurz etwas zu zeigen (zum Beispiel aufzustehen und ein paar Schritte zu gehen), und arbeitet dabei eine feste Liste ab – das Neue Begutachtungsassessment (NBA). Damit schaut er sich sechs Lebensbereiche an, im Amtsdeutsch „Module" genannt:

Die sechs Begutachtungs-Module und ihr Gewicht
Lebensbereich (Modul)Worum es gehtGewicht
SelbstversorgungWaschen, Anziehen, Essen, Trinken, Toilette40 %
Umgang mit Krankheit & TherapieMedikamente, Arzttermine, Behandlungen, Reha20 %
Kognitive & kommunikative FähigkeitenGedächtnis, Orientierung, Entscheidungen15 %*
Verhalten & PsycheUnruhe, Ängste, Abwehr von Hilfe15 %*
Gestaltung des Alltags & soziale KontakteTag strukturieren, in Kontakt bleiben15 %
MobilitätAufstehen, Gehen, Treppen10 %

*Aus den beiden Bereichen „Kognition" und „Verhalten & Psyche" zählt am Ende nur der höhere der beiden Werte in die Gesamtwertung – nicht die Summe. Das ist besonders bei Demenz wichtig.

Sie sehen schon hier: Die Selbstversorgung wiegt mit Abstand am schwersten, und Bereiche wie Therapie oder das, was im Kopf und im Verhalten passiert, zählen mehr, als die meisten vermuten. Genau deshalb lohnt sich Vorbereitung – damit jeder dieser Bereiche im Termin auch wirklich vorkommt.


Wie bereite ich mich auf den Termin vor? (Checkliste)

Gute Vorbereitung ist kein großer Akt. Es geht darum, vorher einmal in Ruhe zu sortieren, was im Termin sonst unter Anspannung untergeht. Diese Checkliste führt Sie durch die wichtigsten Schritte:

Vorbereiten in 7 Schritten

  • Dabei sein. Vereinbaren Sie den Termin so, dass Sie (oder eine andere vertraute Person) sicher anwesend sind. Das ist der wichtigste Punkt überhaupt.
  • Demenz oder Besonderheiten vorab nennen. Sagen Sie schon bei der Terminankündigung, wenn eine Demenz oder eine andere wichtige Erkrankung vorliegt – dann kann sich der Gutachter darauf einstellen.
  • Einen normalen Tag aufschreiben. Notieren Sie vorher, wie ein typischer Tag wirklich abläuft – Morgen, Mittag, Abend, Nacht – und an welchen Stellen es hakt.
  • Ein kurzes Pflegetagebuch führen. Schon ein paar Stichworte pro Tag über ein, zwei Wochen zeigen schwarz auf weiß, was nachts und über die Woche passiert (mehr dazu weiter unten).
  • Unterlagen bereitlegen. Arztbriefe, Diagnosen, Medikamentenplan, Hilfsmittel, Therapie-Verordnungen (Mitbring-Liste weiter unten).
  • Konkrete Beispiele sammeln. Nicht „sie ist vergesslich", sondern „letzte Woche dreimal den Herd angelassen". Konkret schlägt allgemein.
  • Ruhe bewahren. Es ist kein Verhör. Der Gutachter will ein ehrliches Bild – Sie helfen ihm, es zu bekommen.

Wenn Sie nur eine einzige Sache aus dieser Liste mitnehmen, dann diese: Seien Sie dabei und schildern Sie den echten Alltag. Warum das so entscheidend ist, sehen wir uns jetzt an.


Was ist der häufigste Fehler bei der Begutachtung?

Wenn wir Familien an einer einzigen Stelle warnen dürften, dann an dieser. Der häufigste Grund, dass der Hilfebedarf im Termin nicht vollständig sichtbar wird, ist kein Formularfehler. Es ist ein zutiefst menschlicher Reflex – wir nennen ihn die „guter-Tag-Falle".

Stellen Sie sich den Termin vor: Es klingelt, eine fremde Person steht in der Wohnung, es geht um etwas Wichtiges. Was passiert? Mutter oder Vater nehmen sich zusammen. Sie sitzen aufrecht, antworten freundlich, sagen „Ja, das geht schon" – auch wenn es im Alltag eben oft nicht geht. Manche schämen sich, Schwäche zu zeigen, gerade vor Fremden. Andere haben schlicht einen guten Moment. Und der Gutachter sieht genau diese halbe Stunde.

Die Folge: Ihr Angehöriger wirkt selbstständiger, als er ist. Angehörige schildern diese Erfahrung immer wieder sinngemäß so:

„Beim Termin saß meine Mutter da und hat freundlich geplaudert, alles beantwortet. Zwei Stunden später wusste sie nicht mehr, dass jemand da war. Im Gutachten stand bei vielen Punkten ‚selbstständig'."

Deshalb die wichtigste Regel: Zeigen und schildern Sie, was NICHT mehr klappt – nicht, was an einem guten Tag gerade noch geht. Das fühlt sich unangenehm an, fast unloyal gegenüber dem eigenen Vater. Aber es ist nicht respektlos, sondern ehrlich. Nächtliche Unruhe, Vergesslichkeit, Abwehr beim Waschen – das sind keine Charakterfehler, sondern Folgen der Erkrankung. Sie sachlich zu benennen sorgt dafür, dass die Hilfe ankommt, die Ihr Angehöriger wirklich braucht.

Und noch ein Punkt, der vielen neu ist: Es zählt schon, sobald jemand helfen oder dabei sein muss – nicht erst, wenn gar nichts mehr geht. „Sie könnte sich theoretisch waschen, tut es ohne Erinnerung und Aufsicht aber nicht" ist genau der Bedarf, um den es geht. Sprechen Sie solche Stellen offen an.


Wie schildere ich den Alltag ehrlich und vollständig?

Der Gutachter fragt frei – aber die Richtung seiner Fragen ist gut vorhersehbar, weil er die sechs Module abarbeitet. Wenn Sie vorher wissen, worauf eine Frage hinauswill, antworten Sie ruhiger und vollständiger. Hier sind typische Fragen und ein Gerüst, wie Sie ehrlich darauf eingehen können. Verstehen Sie die Beispielsätze nicht als Text zum Auswendiglernen, sondern als Anregung – setzen Sie Ihre echten Beispiele ein und sagen Sie nur, was bei Ihrem Angehörigen wirklich so ist.

Typische Gutachterfragen und wie Sie ehrlich schildern können
Der Gutachter fragt sinngemäß …Worauf er hinauswillSo können Sie ehrlich schildern (Gerüst)
„Erzählen Sie mal, wie der Alltag so aussieht." Gesamteindruck „An manchen Tagen – gerade bei Besuch – wirkt meine Mutter zusammengerissener, als der Alltag wirklich ist. Ich schildere Ihnen, wie es über die Woche tatsächlich läuft, auch nachts."
„Kommen Sie allein aus dem Bett oder vom Stuhl hoch?" Mobilität / Transfer „Aufstehen schafft er allein nicht sicher – ich muss anfassen oder bereitstehen. Die paar Schritte hier täuschen; gegen Abend geht ohne Rollator gar nichts."
„Wäscht und kleidet sich Ihre Mutter selbst?" Selbstversorgung (40 %) „Ohne dass ich sie erinnere und dabei bin, bleibt es liegen oder ist nur halb gemacht. Beim Waschen übernehme ich den Rücken, beim Anziehen die Knöpfe und Schuhe."
„Nimmt sie ihre Medikamente zuverlässig?" Krankheit & Therapie (20 %) „Nein, die vergisst oder verwechselt sie. Ich stelle sie im Wochendispenser und kontrolliere die Einnahme. Dazu hat sie zweimal die Woche Physio, die ich organisiere und zu der ich sie fahre."
„Findet sie sich draußen noch zurecht?" Kognition / Orientierung „In der Wohnung ja, draußen nicht mehr verlässlich – letzten Monat hat sie den Heimweg vom Bäcker nicht gefunden. Allein lasse ich sie nicht mehr rausgehen."

Drei Dinge helfen über alle Fragen hinweg:

  1. Ergänzen statt widersprechen. Wenn Ihr Angehöriger beschönigt („das geht schon"), fallen Sie ihm nicht ins Wort. Sagen Sie ruhig: „Heute klappt das gut – im Alltag ist es leider meist anders, zum Beispiel …".
  2. Häufigkeit nennen. „Fast jede Nacht", „zwei- bis dreimal die Woche" – gerade das Verhalten wird danach bewertet, wie oft etwas vorkommt. Der Unterschied zwischen „kommt vor" und „jede Nacht" ist groß.
  3. Glaubwürdig bleiben. Übertreiben Sie nicht. Erfahrene Gutachter erkennen das sofort, und es kann nach hinten losgehen. Das wahre, vollständige Bild ist stark genug.

Unsicher, worauf es bei Ihrem Angehörigen ankommt?

Unser kostenloser Schnell-Check führt Sie in einfacher Sprache durch die sechs Lebensbereiche der Begutachtung – auch durch die „unsichtbaren" Themen wie Gedächtnis, Nacht und Verhalten, die im Termin so leicht untergehen. Am Ende sehen Sie eine erste, unverbindliche Orientierung (keine verbindliche Feststellung) und eine Liste der Punkte, die Sie beim Termin nicht vergessen sollten.

Pflegegrad-Schnell-Check starten

Der Schnell-Check ist eine erste Orientierung und ersetzt nicht die Begutachtung durch den Medizinischen Dienst — den Pflegegrad stellt allein Ihre Pflegekasse fest.


Wie hilft ein Pflegetagebuch bei der Begutachtung?

Das stärkste und meist unterschätzte Werkzeug für den Termin ist ein Pflegetagebuch. Es zeigt schwarz auf weiß, was nachts und über die Woche wirklich passiert – also genau das, was der Gutachter in seiner einen Stunde nicht sehen kann. Es macht Ihre Schilderung glaubwürdig: Sie behaupten nicht nur, Sie belegen.

So einfach geht es:

  • Kurz halten. Ein paar Stichworte pro Tag genügen, kein Aufsatz: Uhrzeit, was war, wie viel Hilfe oder Aufsicht nötig war. Lieber zwei Wochen knappe Einträge als zwei perfekte Tage.
  • Früh anfangen. Beginnen Sie idealerweise schon mit der Antragstellung – dann ist bis zum Termin genug zusammengekommen. Als Faustregel sind ein bis zwei zusammenhängende Wochen sinnvoll, weil sie gute und schwere Tage zeigen; mindestens 7 zusammenhängende Tage sollten es sein – aber auch wenige Tage helfen schon.
  • Die Nächte mitschreiben. Aufstehen, Umherwandern, Unruhe – das ist tagsüber unsichtbar und geht im Termin am leichtesten unter.
  • Auch ruhige Tage notieren. Ein realistisches Bild aus guten und schlechten Tagen ist glaubwürdiger und damit stärker als nur die dramatischsten Momente.

Worauf es beim Inhalt ankommt, ist überschaubar. Diese Bereiche sollten vorkommen, weil sie in die Bewertung einfließen und im Termin oft vergessen werden:

Was ins Pflegetagebuch gehört
BereichWas Sie notieren
Nachtruhig oder unruhig, aufgestanden, Hilfe nötig?
Körperpflege & Anziehenselbst, nur mit Erinnerung, oder übernommen?
Essen & Trinkenvon allein ausreichend, erinnert oder angereicht?
Toiletteallein, mit Begleitung, oder Versorgung nötig?
Medikamente & Behandlungenselbst zuverlässig, oder gerichtet und überwacht?
Mobilität & StürzeAufstehen, Gehen – und jeder Sturz oder Beinahe-Sturz mit Datum
Orientierung & GefahrenHerd vergessen, sich verlaufen, Fremde hereingelassen?

Eine wichtige Klarstellung, die viele falsch machen: Stürze sind kein eigener „Mobilitäts-Punkt". Ihr Wert ist ein anderer – ein datierter, konkreter Sturz belegt, dass Ihr Angehöriger nicht gefahrlos allein bleiben oder aufstehen kann. „Sie stürzt halt manchmal" bringt wenig; „am 12. März beim Aufstehen vom Sessel gestürzt, weil die Seite weggeknickt ist" bringt viel. Notieren Sie deshalb immer Datum und Situation.


Welche Unterlagen sollte ich bereitlegen?

Legen Sie alles griffbereit hin, was den Pflegebedarf belegt. Sie müssen nichts davon vorab einschicken – aber wenn der Gutachter danach fragt, sind Sie sofort sprechfähig:

  • Arztbriefe und Diagnosen – besonders zu den Erkrankungen, die den Alltag bestimmen.
  • Aktueller Medikamentenplan – am besten vom Hausarzt.
  • Therapie-Verordnungen – Physio, Ergo, Logopädie (das zählt mehr, als viele denken).
  • Liste der Hilfsmittel – Rollator, Pflegebett, Inkontinenzmaterial, Hausnotruf.
  • Ihr Pflegetagebuch und Ihre Notiz zum „normalen Tag".
  • Eine Vollmacht oder Betreuungsurkunde, falls vorhanden – damit Sie für Ihren Angehörigen sprechen dürfen.

Bei Demenz lohnt sich der Blick in unseren Ratgeber Pflegegrad bei Demenz – dort steht, welche Alltagspunkte gerade hier fast immer übersehen werden.


Was passiert nach der Begutachtung?

Nach dem Termin schreibt die Pflegekasse das Gutachten und schickt Ihnen den Bescheid mit dem Pflegegrad und dem Gutachten als Anlage. Lesen Sie beides in Ruhe durch, auch das Gutachten. Dort steht, wie der Gutachter die sechs Bereiche bewertet hat – hier sehen Sie, ob Ihr Alltag richtig erfasst wurde.

Zwei Dinge sind gut zu wissen: Die Kasse muss in der Regel innerhalb von 25 Arbeitstagen nach Ihrem Antrag entscheiden; lässt sie sich ohne triftigen Grund mehr Zeit, schuldet sie Ihnen 70 Euro für jede angefangene Woche Verzögerung. Und wenn der Bescheid nicht passt, können Sie innerhalb eines Monats schriftlich Widerspruch einlegen. Ob sich das lohnt, hängt vom Einzelfall ab – das prüfen kostenlos die Pflegeberatung nach § 7a SGB XI, ein Sozialverband (VdK, SoVD) oder ein Fachanwalt für Sozialrecht. Den ganzen Weg von Antrag bis Bescheid finden Sie im Überblick Pflegegrad beantragen.

Bleiben Sie ruhig: Ein erster Bescheid, der den Alltag noch nicht voll abbildet, ist häufiger, als viele denken, und kein Grund zur Verzweiflung. Wichtig ist, dass Sie den Termin gut vorbereiten – damit es im besten Fall gar nicht erst so weit kommt.

Quellen und Vertrauen

Dieser Ratgeber beruht auf den offiziellen Regelungen der Pflegeversicherung (SGB XI) und auf den Informationen folgender Stellen:

  • Medizinischer Dienst (MD) Bund – Begutachtung nach dem Neuen Begutachtungsassessment
  • Bundesministerium für Gesundheit (BMG) – Online-Ratgeber Pflege
  • Verbraucherzentrale – Vorbereitung auf die Begutachtung und Pflegetagebuch
  • Sozialverband VdK / SoVD – Tipps zur Begutachtung und zum Widerspruch
Geprüft und aktualisiert: 06/2026. Wir aktualisieren diesen Beitrag, wenn sich Regeln oder Beträge ändern.

Wichtiger Hinweis: Dieser Ratgeber erklärt das Verfahren allgemein und verständlich. Er ist keine Rechtsberatung und keine medizinische Beratung im Einzelfall und ersetzt nicht die kostenlose Pflegeberatung nach § 7a SGB XI, die Sie bei Ihrer Pflegekasse oder einem Pflegestützpunkt erhalten. Über den tatsächlichen Pflegegrad entscheidet allein der Medizinische Dienst bzw. MEDICPROOF; einen bestimmten Pflegegrad können und wollen wir Ihnen nicht versprechen. Für die rechtliche Bewertung Ihres Einzelfalls – etwa bei einem Widerspruch – wenden Sie sich an einen Sozialverband (z. B. VdK, SoVD) oder an einen Rechtsanwalt für Sozialrecht.

Häufige Fragen zur Begutachtung

Wie bereite ich mich am besten auf die Begutachtung vor?
Schreiben Sie vorher auf, wie ein normaler Tag wirklich abläuft – mit allen Stellen, an denen Hilfe oder Aufsicht nötig ist, auch nachts. Seien Sie beim Termin dabei, schildern Sie den echten Alltag (nicht den geschönten guten Moment) und belegen Sie ihn mit konkreten Beispielen und einem kurzen Pflegetagebuch. Legen Sie Arztbriefe, Medikamentenplan und Therapie-Verordnungen bereit.
Wer kommt zur Begutachtung – und wie lange dauert sie?
Bei gesetzlich Versicherten kommt der Medizinische Dienst (MD), bei privat Versicherten MEDICPROOF. In der Regel besucht ein Gutachter Sie zu Hause; der Termin dauert meist 30 bis 60 Minuten. In manchen Fällen läuft die Begutachtung per Telefon oder Video.
Was schaut sich der Gutachter an?
Er arbeitet eine feste Liste ab, das Neue Begutachtungsassessment (NBA), und bewertet sechs Lebensbereiche: Selbstversorgung (40 %), Umgang mit Krankheit und Therapie (20 %), Kognition (15 %), Verhalten und Psyche (15 %), Gestaltung des Alltags (15 %) und Mobilität (10 %). Aus Kognition und Verhalten zählt nur der höhere der beiden Werte.
Was ist der häufigste Fehler im Termin?
Die „guter-Tag-Falle": Die pflegebedürftige Person nimmt sich vor dem fremden Gutachter zusammen und wirkt selbstständiger, als sie im Alltag ist. Schildern Sie deshalb ehrlich, was NICHT mehr klappt – nicht, was an einem guten Tag noch geht – und ergänzen Sie ruhig, wenn beschönigt wird.
Sollte ich beim Termin dabei sein?
Ja, unbedingt. Eine vertraute Person kann den Alltag ergänzen, wenn die betroffene Person ihren Zustand zu positiv schildert. Bei Demenz ist das besonders wichtig. Ergänzen Sie ruhig und sachlich – ohne Ihren Angehörigen bloßzustellen.
Welche Unterlagen sollte ich bereithalten?
Arztbriefe und Diagnosen, einen aktuellen Medikamentenplan, Therapie-Verordnungen (Physio, Ergo, Logopädie), eine Liste der Hilfsmittel, Ihr Pflegetagebuch sowie – falls vorhanden – eine Vollmacht oder Betreuungsurkunde. Einschicken müssen Sie nichts vorab; bereitlegen genügt.
Wie lange sollte ich ein Pflegetagebuch führen?
Als Faustregel ein bis zwei zusammenhängende Wochen, idealerweise ab der Antragstellung – so zeigen sich gute und schwere Tage. Mindestens 7 zusammenhängende Tage sollten es sein, aber auch wenige Tage helfen schon. Es genügen Stichworte pro Tag. Wichtig ist, auch die Nächte und ruhigere Tage zu notieren, weil das ein glaubwürdiges, vollständiges Bild ergibt.
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