Welche Fragen stellt der Medizinische Dienst bei Demenz?
Worauf der Gutachter bei Demenz achtet und was Sie tun, wenn Ihr Angehöriger sich beim Termin zusammenreißt.
Bei einer Demenz schaut der Gutachter besonders darauf, wie gut sich ein Mensch im Alltag noch orientiert, erinnert und zurechtfindet, und wie er sich verhält. Wichtig zu wissen: Viele strengen sich vor fremden Menschen an und wirken dann fitter als sonst. Schildern Sie deshalb ruhig und mit konkreten Beispielen, wie der Alltag wirklich aussieht.
Fachlich geprüft von Susanne, examinierte Altenpflegerin · Herausgegeben von Johnny Mucha · Stand: 11. Juli 2026. Wer dahintersteht →Welche Fragen stellt der Gutachter bei Demenz?
Bei einer Demenz spielen vor allem zwei der sechs Bereiche eine besondere Rolle: die geistigen und kommunikativen Fähigkeiten und das Verhalten samt seelischer Verfassung (im Begutachtungsverfahren die Module 2 und 3). Der Gutachter fragt diese Punkte aber nicht wie in einem Test nacheinander ab. Er verschafft sich im Gespräch, durch Beobachtung und mit gezielten Fragen an Ihren Angehörigen und an Sie ein Bild davon, wie der Alltag wirklich aussieht.
Bei den geistigen Fähigkeiten schaut er zum Beispiel darauf, wie gut sich Ihr Angehöriger zeitlich und örtlich orientiert, ob er vertraute Personen erkennt, sich an kürzlich Geschehenes erinnert, Entscheidungen im Alltag trifft und Gefahren noch richtig einschätzt. Beim Verhalten geht es um Beobachtungen wie nächtliche Unruhe, Ängste, Aggression oder die Abwehr von Hilfe bei der Pflege.
Warum wirkt mein Angehöriger beim Termin oft fitter?
Das ist häufig, gerade bei Demenz. Vor fremden Menschen strengen sich viele an und wirken für eine Stunde wacher und selbstständiger, als sie es im Alltag sind. Der Gutachter sieht aber nur diesen einen kurzen Moment. Was er nicht erfährt, kann er nicht bewerten.
Wie schildere ich den Alltag bei Demenz richtig?
Sprechen Sie es offen an, wenn gerade ein besonders guter Moment ist und der Alltag sonst anders aussieht. Nennen Sie konkrete Beispiele aus den letzten Tagen: was vergessen wurde, was nachts passiert, wo Hilfe nötig war. Als Angehöriger dürfen und sollen Sie ergänzen, was der Betroffene selbst nicht erzählt oder beschönigt. Sprechen Sie solche Beobachtungen möglichst wertschätzend an und stimmen Sie sich, wenn es geht, vorher mit Ihrem Angehörigen ab. Es geht nicht darum, jemanden bloßzustellen, sondern darum, dass der wirkliche Hilfebedarf sichtbar wird.
Was zählt bei Demenz für den Pflegegrad?
Kurz gesagt: Bei Demenz wiegen die geistigen und seelischen Einschränkungen oft schwerer als die körperlichen. Warum das so ist und wie sich das auf den Pflegegrad auswirkt, steht ausführlich auf unserer Seite Pflegegrad bei Demenz.
Häufige Fragen (Demenz und Termin)
Welche Fragen stellt der MDK bei Demenz?
Vor allem geht es um Orientierung, Gedächtnis, Verhalten und das Zurechtkommen im Alltag. Der Gutachter fragt das nicht als starre Liste ab, sondern schätzt es im Gespräch und durch Beobachtung ein.
Was, wenn sich mein Angehöriger beim Termin zusammenreißt?
Sprechen Sie es ruhig an und nennen Sie konkrete Beispiele aus den letzten Tagen, wie der Alltag sonst aussieht.
Soll ich vor meinem Angehörigen offen über die Probleme sprechen?
Ja, das ist wichtig, damit der echte Bedarf sichtbar wird, am besten vorher mit dem Betroffenen abgestimmt und in ruhigem, wertschätzendem Ton.
Zählt eine Demenz automatisch als hoher Pflegegrad?
Nein, einen Automatismus gibt es nicht. Eine Demenz wirkt sich vor allem auf die geistigen Fähigkeiten und das Verhalten aus, also auf zwei der sechs Bereiche. Der Pflegegrad ergibt sich aber aus der gewichteten Gesamtbewertung aller sechs Module und dem tatsächlichen Hilfebedarf im Alltag. Eine leichte Demenz mit noch erhaltener Selbstständigkeit führt eher zu einem niedrigeren Grad, eine fortgeschrittene Demenz mit hohem Hilfebedarf zu einem höheren. Ausführlich steht das auf unserer Seite Pflegegrad bei Demenz.
Unsicher, worauf es bei Ihnen ankommt?
Wenn Sie vor dem Termin sortieren wollen, welche Punkte bei Ihrem Angehörigen mit Demenz besonders zählen, hilft unser kostenloser Pflegegrad-Fragebogen. Er führt Sie in etwa 15 Minuten durch die sechs Lebensbereiche der Begutachtung. Kein Verkauf, keine E-Mail-Pflicht, Ihre Antworten bleiben auf Ihrem Gerät.
Kostenlosen Pflegegrad-Fragebogen starten
So arbeiten wir
Pflegeklartext wird herausgegeben von Johnny Mucha. Er ist Betriebswirt, weder Pfleger noch Anwalt. Seine Aufgabe ist eine andere: Er verantwortet, dass jede Information auf dieser Seite aktuell ist, aus nachprüfbaren Quellen stammt und ohne Vorwissen verständlich bleibt.
Alle fachlichen Inhalte prüft Susanne, examinierte Altenpflegerin. Sie steht weiter mitten im Beruf und tritt hier deshalb bewusst nur mit Vornamen auf. Ihr Qualifikationsnachweis liegt dem Herausgeber vor.
Wir sind keine Behörde, keine Pflegekasse und kein Medizinischer Dienst. Wir geben keine Rechts- oder Pflegeberatung und stellen keinen Pflegegrad fest. Wer mehr über uns, unsere Quellen und unseren Prüfprozess wissen möchte, findet das auf unserer Herausgeber-Seite: Über uns.
Quellen und Rechtsstand
- § 14 Absatz 2 SGB XI: die Kriterien der Module 2 (kognitive und kommunikative Fähigkeiten) und 3 (Verhaltensweisen und psychische Problemlagen)
- §§ 14, 15 SGB XI: die sechs Module und ihre Gewichtung
- Begutachtungs-Richtlinien des Medizinischen Dienstes Bund: Einschätzung der Kriterien durch Beobachtung und Gespräch
Stand: 11. Juli 2026. Gesetze, Fristen und Beträge können sich ändern. Maßgeblich ist immer der aktuelle Gesetzestext. Dieser Text informiert und ersetzt keine individuelle Rechts- oder Pflegeberatung.